Veranstaltungen in den Parkanlagen

Kreuzweg zur Nachfolge am Karfreitag

Datum: 19. April 2019
Beginn: 13:30
Ende: 15:45
Veranstalter: Evangelische Kulturstiftung Görlitz
Ort: Heiliges Grab und Ölberggarten, Görlitz

Wenn im Schein der Frühlingssonne oder auch unter Schneefall oder Regen mehrere hundert Erwachsene und Kinder von der Peterskirche zum Heiligen Grab ziehen, kehrt eine ganz eigene Sammlung und Stille ein in die Lebensgeschichte der Teilnehmenden und auf den Weg, der sonst von dem so mannigfachen Erzählen, Stöhnen und Staunen des Alltags geprägt ist. Die Erinnerung an das Leiden und Sterben Jesu, die auf dem Kreuzweg mit Bibellesungen und Gebeten laut wird, nimmt mit. Ja, das muss einen richtig mitnehmen, was da am Karfreitag einem Unschuldigen zugemutet wurde und was an jedem Tag so viele, viele zu tragen, auszuhalten, zu leiden haben.

Der "Kreuzweg zur Nachfolge" verbindet die Teilnehmenden mit den Opfern von Unbarmherzigkeit, Gewalt und Tod. Und er lässt dem nachgehen, der das Leid getragen, die Lieblosikeit untergriffen und das Vertrauen auf Gott nicht aufgegeben hat - selbst in der Gottesfinsternis: "Mein Got, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
In Görlitz hat dieser Weg eine lange Tradition. Dankbar und wach wird an sie angeknüpft in jedem Jahr. Vermutlich ist dieser Kreuzweg von frommen Pilgern und den Einwohnern der Stadt schon gegangen worden, als das Hielige Grab in Görlitz am Ende des 15. Jahrhunderts als Stätte der Einkehr und des Gebets gebaut wurde. Aus Jerusalem kamen damals nicht nur die Zeichnungen und Pläne für die vor den Toren der Stadt errichtete Kapellenanlage an die Neiße. Aus Jerusalem kam auch jener Ausdruck einer vor allem von den Franziskaner-Mönchen gepflegten Passionsfrömmigkeit hierher: Schon die Aufzeichnung der letzten Woche Jesu im Markus-Evangelium ist ja so gegliedert, dass man die Orte und die Zeiten des Leidensweges Jesu Schritt für Schritt aufsuchen und mitvollziehen kann. Und in Jerusalem war ein solches Nachgehen der Passion Jesu besonders im 14. und 15. Jahrhundert das Ziel derer, die aus Ost und West, aus Nord und Süd an den Ort des Leidens, Sterbens und Auferstehens Christi gekommen waren.

Die Sehnsucht danach, dem mit allen SInnen nahe zu sein, das selber zu sehen und zu "begehen", was die Bibel vom Geheimnis des Todes un der Auferstehung Jesu erzählt, gehörte ja durch lange Zeit hindurch zu den Lebenswegen in Europa. Und wenn sich heute wieder so viele auf Pilgerwege begeben, dann klingt darin noch etwas von jener Erwartung auf, die gerade auf dem Weg zu einer herausgehobenen Andachtsstätte Erfüllung des Glaubens, Erfahrungen von selbstloser Liebe, eine feste Zuversicht und Hoffnung sucht.